Luftaufnahme Bothmer 1931

Es ist eine besonderer Umstand, dass im Nordwesten Mecklenburgs mit Schloss Bothmer ein Gebäude- und Parkensemble aus barocker Zeit erhalten geblieben ist, das seit der Entstehung und Umsetzung die gestalterischen Elemente des Barock weitgehend bewahrt hat und nach wie vor auch mit der Umgebung eine Einheit bildet.

Die wechselvolle Geschichte der Schloss- und Parkanlage ist an unterschiedlichen Spuren ablesbar und die Besonderheit erschließt sich im verhältnismäßig guten Erhaltungszustand, der dieses nachvollziehbar werden lässt. Es bietet sich damit die Chance, die Zeichen der Zeit zu bewahren und sichtbar zu lassen und dabei notwendige Sanierungsarbeiten durchzuführen.

Die Luftaufnahme im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts verdeutlicht die Einbettung der Schlossanlage in die Landschaft. In weiterer Entfernung zeigt sich der Flecken Klütz, damals das wirtschaftliche Zentrum der Region Klützer Winkel.

Gräfliches Wappen derer von Bothmer

Hans Caspar von Bothmer – der Schlosserbauer und die Voraussetzungen für den Bau der Schlossanlage

Die Familie von Bothmer hat ihren Ursprung in Niedersachsen. Am Zusammenfluss von Aller und Leine, in Bothmer-Schwarmstedt befindet sich der älteste Stammsitz der Familie, deren überlieferte Geschichte bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Später übersiedelte ein Zweig der Familie nach Lauenbrück. Dort wird 1656 Johann Caspar von Bothmer, genannt Hans Caspar, als ältester Sohn der Familie geboren.

Hans Caspar von Bothmer 1656-1732

Eine diplomatische Laufbahn in Diensten des Kurfürsten von Hannover, Georg Ludwig, der seit 1714 als Georg I. auch König von England war, ließ Hans Caspar Reichsgraf von

Bothmer (1656-1732) zu einem der engsten Berater Georg I. werden.

Seit 1720 hatte Hans Caspar von Bothmer in seiner Funktion als „Erster Minister für die Deutschen Angelegenheiten“ in London an der Adresse Downing Street 10 bis zu seinem Tode 1732 Wohnung und Arbeitsplatz.

Die Tätigkeit als Diplomat seiner Zeit führte ihn an die Höfe, die politischen Machtzentren Europas, deren Eindrücke die Persönlichkeit von Bothmers sicher beeinflusst haben werden.

In den Jahren 1721 bis 1731 wurden zahlreiche Güter im westlichen Mecklenburg erworben,  deren Zentrum später die Schlossanlage Bothmer bilden wird.

Bereits Mitte der 1720er Jahre bestimmte Hans Caspar von Bothmer per Testament die Erbfolgeregelung zugunsten seines Neffen Hans Caspar Gottfried von Bothmer (1695–1765), als Majorat. Dieses besagt, dass stets der älteste männliche Nachkomme der Familie das Erbe antritt. Als Majoratsherr führte allein er den Grafentitel und hatte den Güterkomplex als Fideikommiss zu vererben, dass heißt, als unveräußerliche und nur als Ganzes vererbbare Vermögensmasse.

Hans Caspar Gottfried von Bothmer 1695-1765
Christine Margarete von Bülow 1708-1786
Bothmersche Familie vor 1870

Der größte Anteil an Grund und Boden wurde im Klützer Winkel von der Familie von Plessen angekauft. Durch die Heirat 1724 von Hans Caspar Gottfried von Bothmer mit Christine Margarete von Bülow (1708–1786) gelangten nach dem Tode ihres Vaters, Hartwig von Bülow, 1729 weitere Güter aus Bülowschem Besitz hinzu. Noch um 1900 umfasste dieser Güterkomplex ca. 8000 Hektar.

Von 1726 – 1732 erfolgt der Bau der Schlossanlage Bothmer durch den Architekten Johann Friedrich Künnecke (†1738) nach englischen und holländischen Vorbilderbauten, zum Beispiel Schloss Het Loo in den Niederlanden.

Die Fertigstellung der Schlossanlage erlebte der Schlosserbauer nicht mehr, das erste Bewohnerpaar waren Hans Caspar Gottfried von Bothmer und seine Gattin.

Bis 1945 lebten neun Majoratsherren mit ihren Familien im Schloss.

Hans Kaspar von Bothmer 1919-1946

Die Familie von Bothmer und das Schloss in Mecklenburg bis 1945

Von 1732 bis 1945 blieben die Schloss- und Parkanlage sowie ein Teil der Güter im Besitz der Familie von Bothmer.

Im Frühjahr des Jahres 1945 floh die Familie von Bothmer nach Lübeck.

Die Stadt Klütz wurde durch die Amerikaner, dann durch die Engländer und ab Juli durch die Sowjetische Armee besetzt. Es erfolgte die Enteignung des Bothmerschen Besitzes.

Im September wurde in den Häusern Schloss Bothmers ein Isolierkrankenhaus für Typhus und andere ansteckende Krankheiten eingerichtet das bis 1946 bestand und etwa 400 Kranken Unterkunft bot.

Im Februar 1946 starb der in Klütz verbliebene und als Pfleger im Schloss tätige Hans Kaspar von Bothmer (1919–1946), der Neffe des letzten Majoratsherren Ludwig Graf von Bothmer, an Fleckfieber.

Kleine Friedensfahrt im Mai 1961

Die Zeit ab 1945

Nach 1945 veränderten sich die Aufgaben und Nutzungen der Schlossanlage. Unter anderem zogen für etwa 10 Jahre auf dem Gelände auch Räumlichkeiten für die Berufsschule ein. Der Park wurde für den Sportunterricht und andere sportliche Anlässe genutzt. Der großen Friedensfahrt nachempfunden, fand im Park auch einige Jahre die „Kleine Friedensfahrt“ statt, bei der es neben der Schnelligkeit mit dem Rad durch den Parcours von Schwierigkeiten galt, an verschiedenen Stationen auch Routine im z. B. im  Reifenwechsel oder Luftaufpumpen zu zeigen.

Leben im Altenheim um 1985

Von 1948 bis 1994 wurde Schloss Bothmer als "Feierabendheim Clara Zetkin" Alten- und Pflegeheim. Etwa 200 Senioren verbrachten hier ihren Lebensabend.

In dieser Zeit des Alten- und Pflegeheims wurden die Seitenflügel umgebaut und neue Gebäude auf dem Gelände der Schlossinsel errichtet.

1998 erfolgte der Verkauf von Schloss und Park für jeweils eine D-Mark durch den Landkreis

Nordwestmecklenburg und die Stadt Klütz an den privaten Investor Dr. Wulf Hartmann. Nicht durchgeführte Sanierungsarbeiten und ein jahrelanger Rechtsstreit verhinderten eine weitere Entwicklung.

Im April 2006 erhielten der Landkreis und die Stadt Klütz nach einem Urteil des Oberlandesgerichts in Rostock Schloss und Park zurück.

Mit der Parkpflege und anderen Aufgaben wird der Natur- und Heimatverein NWM e. V.beauftragt.

Mit dem 1. Februar 2008 gingen Schloss und Park Bothmer in das Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern über. Die Betreuung erfolgt seitdem durch die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und der landeseigene Baubetrieb hat mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen.