Schloss Bothmer Luftaufnahme Herbst 2007

Mit Schloss Bothmer entstand im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts in Mecklenburg ein Ensemble, bei dessen Gestaltung den architektonischen Einflüssen Europas, im Besonderen aus den Niederlanden und England, eine große Bedeutung zukam.

Typische Gestaltungsmerkmale des barocken Zeitalters kennzeichnen den Gebäudekomplex. Symmetrie, die Verknüpfung von Räumen verschiedener Art und Größe zu einer großen Einheit unter Verwendung der Perspektive und der Einbindung von Sichtachsen erzeugen eine Gesamtkonzeption, die das Ganze wie auch das Einzelne wirken lassen.

Schloss Het Loo in den Niederlanden

Vorbildcharakter bei der Konzeption des Gebäudekomplexes hatten wahrscheinlich Bauten und Ideen des italienischen Baumeisters Andrea Palladio, welche zur Zeit der Erbauung von Schloss Bothmer in ihrer Organisation der damals hochmodernen Anlageform eines Landsitzes entsprach. Diese umfasst neben der Wohn- und Erholungs- auch Wirtschaftsfunktionen. Die Drei-Flügel-Anlage ist im Pavillon-Galerie-System errichtet – zweigeschossige Bauten, sogenannte Pavillons, werden mit eingeschossigen Bauten, den Galerien verbunden. Wiedererkennbar wird dieses zum Beispiel bei Palais Het Loo in Apeldoorn in den Niederlanden.

Verspiegelte Fensteratrappe im Gartensaal

Ebenso nach den Niederlanden bzw. England verweisen auch die einst im Schloss Bothmer eingebauten Schiebefenster. Der Einbau von Kastenfenstern im 19. Jahrhundert verdrängte die einstigen Schiebefenster bis auf ein erhaltenes Fensterfragment in einem der Pavillons. Als Fensterattrappe befinden sich heute zwei Fenster in verspiegelter Form im Gartensaal.

Huis de Voorst

Der vorbildhafte bauliche Bezug lässt sich sowohl an Palais Het Loo als auch an Huis de Voorst, beides Bauten in den Niederlanden, ablesen. Mit Letztgenanntem wird eine weitere architektonische Verwandtschaft zu Schloss Bothmer mit den viertelkreisförmigen an das Haupthaus grenzenden Galerien offensichtlich. Als „Cornichen“ bezeichnete der Baumeister Johann Friedrich Künnecke diese bei Schloss Bothmer ursprünglich allein optischen Scharnierbauten. Bei Huis de Voorst sind die Galerien aber als offene Säulengänge ausgeführt.

Neben den internationalen fanden auch regionale Gegebenheiten in der Architektur ihren Niederschlag.

Der Einfluss der Region des Klützer Winkels zeigt sich in der Verwendung des roten und gelben Backsteins, der mit hochwertigem aus anderen Regionen importierten Sandstein ergänzt wurde.