Viel Natur, Wasser und eine hügelig reizvolle Landschaft, die in der Eiszeit geformt wurde - das ist der Klützer Winkel, der sich zwischen Wismarer Bucht und Lübecker Bucht befindet. Über die Bezeichnung wissen die Einheimischen zu berichten, dass sich dieser so weit erstreckt, so weit der Klützer Kirchturm zu sehen ist.

Folgt man den zahlreichen Alleen, wird das Bild jenseits der Straßen und Wege von fruchtbaren Böden bestimmt, die den Anbau verschiedener hochwertiger Kulturen wie z. B. Weizen oder Rüben ermöglichen.

Ostseebad Boltenhagen

Der wohl bekannteste Ort des Klützer Winkels ist das Ostseebad Boltenhagen, das mit kühlem Ostseenass und weißem Sandstrand des Sommers zahlreiche Gäste anzieht und Erholung bietet. Auch die nahe gelegene Steilküste lädt zum Wandern ein. Das Bild des verschlafenen Fischerdorfes veränderte sich Ende des 19. Jahrhunderts, als der Strom der Badegäste nach Boltenhagen zunahm. Im 19. Jahrhundert, als man sehr wenig Haut zeigen durfte, war das Baden nur mit Badekarren möglich, der von einem Pferd gezogen, ins Wasser und wieder hinaus transportiert wurde. Den im Wasser befindlichen Badekarren verließ man zum Baden und konnte sich darin umziehen. Den ersten Badekarren ließ übrigens der Graf von Bothmer 1803 am Strand von Boltenhagen aufstellen.

Um 1910 war es „in“, sich große Sandburgen zu bauen.

Aber auch etwas weiter im Landesinneren locken Standorte, die zum Kennenlernen, Genießen und Entspannen oder einfach Seele baumeln lassen, einladen.

Damshagen

Wer von Klütz aus der Landstraße Richtung Grevesmühlen folgt, Hofzumfelde hinter sich lässt, der erreicht nach zwei Kilometern Damshagen.

Erstmalig wird das Dorf Damshagen im Ratzeburger Zehntenregister des damaligen Bistums Ratzeburg erwähnt. Zu der Zeit trug das Dorf den Namen Thomashagen.

Über sechs Jahrhunderte bis 1945 war die Familie von Plessen Eigentümer des Dorfes und der umliegenden Ländereien. Das Herrenhaus der Familie ist noch erhalten.

Kirche St. Thomas

Es ist davon auszugehen, dass es schon 1230 die erste aus Holz erbaute Kirche in Damshagen gab. Die im Altarraum stehende Tauffünte aus Granit (Abbildung unten Mitte) stammt aus dieser Zeit. Im 14. Jahrhundert wurde die heutige gotische Backsteinkirche erbaut, die im Laufe der Zeit mehrere Erweiterungen erfuhr.

In den Jahren 1720/24 erhielt das Kirchenschiff unter dem damaligen Patron Hartwig von Bülow eine barocke Gestaltung. Aus jener Zeit ist heute noch die Decke und der Altar erhalten. Leider ist der Altar, von Hieronymus Hasselberg aus Lübeck 1723 gefertigt, nicht vollständig. Es fehlen die geschnitzten Figuren, die wegen starken Holzwurmbefalls abgenommen wurden und dringend einer Restaurierung bedürfen, für die der Gemeinde das Geld fehlt. Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche das heutige neugotische Gestühl. Auch die Orgel, gebaut 1844 von der Firma Winzer in Wismar, stammt aus dieser Zeit. Original ist noch heute der Orgelprospekt erhalten. Ebenso stammt der Patronatschor mit dem von Rantzau-Bothmerschen Verbindungswappen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die heutige Gestaltung des Kirchenschiffes in den Farben blau, grau und rot erhielt der Raum bei der letzen umfangreichen Restaurierung im Jahre 1968. Die Farben geben dem gut erhaltenen Innenraum eine helle und freundliche Atmosphäre.

In einer Grabkammer stehen die reich verzierten Steinsärge von Hartwig von Bülow und seiner zweiten Ehefrau Christina, geb. v. Reventlow, die beide am 4. Januar 1729 starben (Abbildung unten rechts). Von 1708 bis zu seinem Tod war H. v. Bülow Patron der Kirche in Damshagen. Danach wurde das Patronatsrecht durch die Familie von Bothmer, als erstem von Hans Caspar Reichsgraf von Bothmer, dem Erbauer des Schlosses Bothmer, ausgeübt. 

Von Ostern bis zum 31. Oktober ist die Kirche täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet und lädt zum Verweilen, zur Besinnung und zur Besichtigung ein.

Leider ist die Kirche durch Dachschäden in ihrer Erhaltung durch mögliches Eindringen von Regenwasser stark gefährdet. Eine kostenaufwändige Dachreparatur ist dringend nötig. Nicht nur eine Neudeckung ist erforderlich, sondern auch eine umfangreiche Reparatur des Dachstuhles. Die Kosten gehen in die Hunderttausende und deren Aufbringung überfordern die ca. 380 Gemeindeglieder zählende Kirchgemeinde. Da das Patronat durch den Verzicht der Familie von Bothmer auf ihr Gut erloschen ist, wird eine Reparatur nur durch Spenden und Fördermittel erfolgen können.


Texte zu Damshagen und St. Thomas: Wolf Beckmann (mit Ergänzungen von Frank Burmeister)

Gutshaus Stellshagen

Nach zwei Kilometer Fußmarsch oder per Pedes entlang eines idyllischen Pfades von Schloss Bothmer aus in südwestlicher Richtung erreicht man das Gutshaus Stellshagen, Mecklenburg-Vorpommerns erstes Biohotel. Serviert werden ausschließlich vegetarische Köstlichkeiten, die auf den naheliegenden Ackerflächen wachsen.

Als eines der jüngsten Gutshäuser des Landes Mecklenburg-Vorpommern 1924 errichtet, blieb es bis zur Enteignung 1945 im Familienbesitz und wurde 1994 zusammen mit den Ländereien von der Urenkelin des einstigen Bauherren erworben.

Das Gut Stellshagen gehörte von 1885 bis 1918 zum Bothmerschen Gutsbesitz. Davon kündet noch heute die sogenannte Ruine auf einem nahegelegenen Hügel (auch Mäuseturm bezeichnet), der zwischen Schloss Bothmer und dem Gutshaus Stellshagen entlang des oben beschriebenen Pfades liegt. (Weitere Infos unter: www.gutshaus-stellshagen.de)

Kalkhorst

Folgt man der Hauptstraße von Klütz gen Lübeck, lohnt ein Aufenthalt in Kalkhorst – ein kleiner Ort, dessen Besonderheiten sich meist erst auf den zweiten Blick erschließen.

Weit über die Grenzen des Klützer Winkels hinaus ist der Name des Heinrich Schliemann (1822-1890) bekannt geworden, der zahlreiche Ausgrabungen leitete und als ein Pionier der Feldarchäologie gilt – in Kalkhorst verbrachte er zwei Jahre seiner Kindheit in der Familie seines Onkels.

Von einer schlichten Wegführung aus Kopfsteinpflaster sollte man sich nicht abhalten lassen, um zu Schloss Kalkhorst zu gelangen. Das 1874 in neogotischem Stil fertiggestellte Backsteinschloss liegt inmitten eines 13 Hektar großen Schlossparks. Dieser gehört zu den artenreichsten in Deutschland. Zum Bestand gehört u. a. ein Arboretum, in dem sich neben unterschiedlichen Zypressenarten auch eine Atlaszeder, eine über 400 Jahre alte Eiche oder ein über 40 Meter hoher Mammutbaum befinden.

Der Park ist für Besucher vom 01. April bis 03. Oktober von 10.00 Uhr bis 16.00 geöffnet (EUR 2,50 pro Person). Führungen finden in der Zeit vom 01. April bis 03. Oktober jeweils Sonntag 14.30 Uhr statt und umfassen ca. 1 Stunde.

Näheres unter: Internetverknüpfung zu www.schloss-kalkhorst.de

Groß Schwansee

Fast unmittelbar an der Lübecker Bucht gelegen und von Kalkhorst innerhalb weniger Minuten zu erreichen, ist der kleine Ort Groß Schwansee. Von der einstigen Gutsanlage bestehen noch das 1745 errichtete barocke Gutshaus und der ehemalige Pferdestall. Nach dem Erwerb des Anwesens 1999 durch die Dornier GmbH und Co. KG begannen umfassende Sanierungsmaßnahmen und in die Gebäude zog ein Hotelbetrieb ein. Stimmungsvoll und modern zeigen sich die Räumlichkeiten des Schlossgutes Groß Schwansee und auch der Besucher der nahen Ostsee kann sich im hauseigenen Café kulinarisch verwöhnen lassen.

Für Unterhaltung sorgt mitunter der in der „Brasserie“ stattfindende „Ostseetalk“, bei dem von Moderatorin Angelika Rätzke eingeladene Prominente zu Wort kommen.

Nicht versäumen sollte man, einmal die direkt zum Strand der Ostsee führende Lindenallee entlangzugehen. Gerade in den Morgen- und Abendstunden zeigt sich die Umgebung in einem besonderen Licht.